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Auf den Spuren des Vulkans

Sommerferienprogramm 2020

Sommerferienprogramm

Voll Wissbegierde und Neugier schnürten 12 junge Entdecker Ihren Rucksack um den Spuren des Vulkanismus nachzugehen. Gemeinsam mit Birgit Sütterlin und Karlheinz Brüning vom Naturzentrum Kaiserstuhl ging die Tour über den Schmerberg. Unterwegs gab es eindrückliche Infos zur Entstehung des Kaisterstuhl Vulkans aber auch zu heimischen Vögeln. Durch beeindruckende Experimente und spannende Erzählungen konnten die Kinder den Vulkanismus tatsächlich entdecken. Ihnen brannten einige Fragen unter den Nägeln, die zusammen mit dem bereits vorhandenen Wissen wie ein Vulkan aus ihnen heraus sprudelten. Herzlichen Dank an Birgit Sütterlin und Karlheinz Brüning und das Naturzentrum für die spannende Vulkanentdeckertour durch die heimischen Rebberge.

"Unseri Rebhitte"

Geschichte und Anekdoten zu unseren Rebhisli

Rebhisli
Birgit Sütterlin, Christine Kantsperger, Karlheinz Brüning

Leise aber stetig verabschieden sich die Rebhütten aus unserer Landschaft. Kaum zu glauben, aber allein in Ihringen gab es ab den 30erJahren des vorigen Jahrhunderts vermutlich noch an die 800 - 1000 Stück, heute sind es vielleicht noch 150 – 200.

Die klassische Kaiserstühler Rebhütte (die Einheimischen sagen in alemannischer Mundart: Rebhitte, Rebhidde oder Rebhisli) nimmt meist nicht mehr als 2 mal 2 Meter Grundfläche ein, ist fast nur mannshoch und mit einem leicht geneigten Flachdach aus Blech gedeckt. Daran befestigt eine Regenrinne von der ein Fallrohr ursprünglich zu einer Sammeltonne führte. Vier Pfosten aus widerstandsfähigem Akazienholz bilden die Ecken, so dass der Wind durch das Rebhütte pfeifen konnte. Einziger Erstellungsgrund zunächst : Auffangen von Regenwasser. Später dann wurden Wände aus Schwartenbrettern angebracht und eine Türe, die das Innere meist mit einem einfachen Riegel verschloss. Das Regenfallrohr, das zunächst in einer Tonne mündete, reichte später in eine innen gelegene, unterirdisch gemauerte Zisterne, die bis zu tausend Liter Wasser fassen konnte. Ein hölzerner oder auch gemauerter oberirdischer Trog ist oft der einzige heute noch sichtbare Einrichtungsgegenstand im Inneren. Manchmal steht noch ein größeres Schöpfgefäß mit langem Stiel daneben.
Männer, wie der Blechner Albert Schweizer, der Zimmermann Ernst Gumpert oder der Maurer Fritz Laufer haben diesen Rebhütten in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts ihre einheitliche Form gegeben.
Auch wenn wir Kaiserstühler zu Recht stolz auf unsere Rebhütten sein können, so sind wir doch nicht die Einzigen mit diesem Besitz. Ähnliche Bauten gibt es z.B. auch in der Schweiz, hier allerdings in etwas massiverer Bauweise aus Stein, also schon richtige „Rebhüsli“. Aber soweit muss man gar nicht gehen. Auch im Markgräflerland gibt es solche „Luxusvarianten“ aus Stein und oft sogar zweistöckig. Man nennt sie dort „Bammerthüsle“.
Warum standen die Rebhütten da? Betagte Winzer erzählen: „Früher wurde da schon drauf geachtet, dass jedes Kind in jeder Lage ein Rebgrundstück hat, wegen dem Hagel; damit er dann trotzdem noch eine Traubenernte hat. Kann sein, dass es dann 16 Grundstücke waren“. “Oft war noch ein Chriesebaum da, für das erste Geld im Jahr auf dem Markt am Stockbrunnen“ und „weil man die Bekämpfungsmittel und das alles noch nicht hatte, auch nicht die Maschinen. Damals wenn man was gesehen hat, den Äscherich , da hat der Vater Spritzbrühe, angemacht, das war damals noch Vitriol, und vom Schilf, die langen Blüten, da hat man früher Kehrbesen draus gemacht und mit denen ist er in die Reben. Hat den Kehrbesen mitgenommen, ihn in den Eimer getunkt und hat die Trauben angespritzt….“. „ Es gab nicht Wege in jedes Grundstück. Da mussten wir manchmal die Spritzbrühe die gebraucht wurde mit dem Eimer weiß Gott wie weit tragen. Unsere Reben waren zum Teil vier Kilometer von hier. Ich habe da fast eine Stunde gebraucht ….“. „Nach links und rechts gingen so kleine Schlugge (kleine Pfade) hinauf, aber mit einem Traktor kam man da nicht rauf. Nur zu Fuß, die haben ja zum Teil den Mist da raufgetragen und die Trauben runter“. (verändert und ergänzt nach K.Kook) Der Äscherich war der Mehltau der Europa etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte. Diese „Seuche“ war bestimmt der Anlass für den Bau der Rebhütten im Bereich Ihringen und es ist wohl so, dass 1935/36 jener Blechner Albert Schweizer im Ihringer Gewann Hohrain eine erste Rebhütte gebaut hat zum Auffangen von Wasser und zum Ansetzen von Spritzbrühe vor Ort ohne den aufwändigen und beschwerlichen Transport der dazu nötigen Gerätschaften. Ganz gewiss dienten die Rebhütten aber auch als Unterschlupf, wenn man bei den vielfältigen Arbeiten am Weinstock - vom ersten Schnitt bis hin zur Lese - von einem Unwetter überrascht wurde und manchem Bammert (Feldhüter), der für den Schutz der Trauben vor gefräßigen Vögeln aber auch vor kleinen und großen Stiebitzen eingesetzt war, werden die Rebhütten Unterstand gewährt haben. Dem einen oder anderen älteren Herrn huscht bei den Interviews ein Schmunzeln übers Gesicht, wenn er von Sonntagsspaziergängen in den Reben erzählt und ein Rebhisli nicht nur als Unterschlupf diente sondern zum Liebesnest wurde. Davon erzählen unter anderem auch zwei Gedichte: Eines von unserem Heimatdichter Arno Müller, das andere von der Mundartdichterin Martha Schmidle aus Gottenheim. Der Kaiserstuhl ist nicht nur ein berühmtes Weinbaugebiet, sondern seit 2007 auch eines der 5.500 Europäischen Vogelschutzgebiete. Der Kaiserstuhl ist das bedeutendste Brutgebiet für Bienen¬fresser, Schwarzkehlchen und Wiedehopf in Baden-Württemberg, eines der wichtigsten Brutgebiete für Baum-, Wanderfalke und Hohltaube sowie ein Zentrum des Wendehalses und der Zaunammer in Baden-Württemberg*. Dieser Schutzstatus erfordert verschiedenste Maßnahmen zum Erhalt gefährdeter Vogelarten und deren Lebensräume. Das gilt vor allem bei Flurneuordnungsmaßnahmen, da hier wertvolle Lebensräume und Brutstätten verloren gehen können. Seit einiger Zeit wird die Flurneuordnung durch ökologische Beratung begleitet. Spezielle Gut¬achten legen dabei fest, wie und wo die Fauna und Flora erhalten werden muss und welche Ausgleichs¬maßnahmen erforderlich sind. An geeigneten Stellen werden neue einfache Hütten aufgestellt, in denen Nistkästen dem Wiedehopf und anderen Höhlenbrütern neue Brutmöglichkeiten bieten. In Ihringen im 2014 veränderten Flurbereinigungsgebiet Schlichten oberhalb des Friedhofs kann man dies gut sehen. Das ist sicher ein großer Fortschritt in der Flurneuordnung und natürlich auch ein großer Gewinn für Wiedehopf und Co. Der Charme der alten Rebhütten bleibt jedoch unerreicht.

Gedicht von Arno Müller

`s Gschait
(Die Grundstücksgrenze)

Im Räbberg obe schoht ä Hitte
do hän ämol zwei Freue gschtritte.
Dia eint het briält: Dü läbsch mr z’leid,
andauernd dappsch mr iber’s Gschait.
Dia ander brialt: Dü bissig Lueder
des Feld isch gerbt vu mirä Mueder.
Därt, wu Dü schtosch mit diene Bei,
schtoht scho sit hundert Johr dr Schtei.
Wir jo nit fräch, brialt’s Annekätter,
Dia Sach‘, dia wird jo immer nätter!
Un während beidi geitscht un brialt,
het jedi noch em Markschtei gnialt.
Uf alle viare sin si gneit,
hän mit dr scheenschte Wärter gschpeit:
Dü Glüderi, dü alti Schees,
Dü Gans, dü Dangelhammergfrees.
Immer greßer wäre d’Mieler,
un ’s Echo härt mr z’Wasewieler,
bis no ändlig noch zwei Schtunde
eini wirklig ebbis gfunde.
Do luag,brialt `s Kätter mit viel Gschrei,
un nottlet amme Ankerschtei.
Oh jähre nei, brialt `s Karolin
un dilbt mit ganz verzehrter Mien
so guat `s eu goht mit beide Händ
an `s Nochbers Hittefundamänt.
Zum guate Glick schtoht do nä Hitte,
dänn grad uf eimol fangt’s a schitte
`s Karolin und `s Annekätter
schälte iber’s Regewetter.
Hän sich mit em Kopfduach degglet
un sin vo Wuat in d’Hitte gsegglet.
Was litt dänn do, duat `s Kätter froge
un luagt vrgelschtret uf dr Bode.
Do litt ä Girtel vu miem Maidli,
vu sienem nagelneie Kleidli.
O järe nai, brialt’s Karolin
do litt miem Bua si Fiarerschien!
Was hän dia gmacht in däre Hitte?
`s Kätter sait: Beschtimmt nit gschtritte.
Dia hän sich gärn,het’s Kar’lin gsait
un froge nit nach uns’rem Gschait.
Dia Fräue häre uf mit schtritte,
sie häre jetz scho d’Glocke litte
und fraie sich scho uf dia Schtund,
wu des Vermege zämmekunnt.

Gedicht von Martha Schmidle

Zum nägschte...

Romantisch stehn si dert obe im Rebberg,
s'het jedes ne anderi Gschalt.
S'eind oder s'ander isch klei wi ne Zwerg,
ne Teil isch noch neu, doch die meischte sin alt.
Was wird sich dert inne wohl a-gsammlet ha,
ne rosige Rebspritzi, us friähere Zitte ?
Fir's Regewasser ne tiäfe Troog, wird fast iberall stoh.
Wänns Wasser zum Spritze fehlt, kannsch gli widder heim goh.
Schtiähl un ne kleine Tisch, villicht au noch ne Fläschli Wii.
Ne alte Kittel, manchmol wird's frisch, do muäßsch g'rüschtet sii.
Manch älteri Winzer wäre sich mänkmol b'sinne
wiä sie als gschmust hän, in dene kleine Hittli inne.
Urig griäße si in d'Gegend ni,
umrahmt vu Ruete und Ranke,
au Rosehecke stehn do un dert debi,
viel Rebstöck, wu Sunnekraft tanke.
Alti, knorrige, kasch überall sehne,
sie produziere auch noch fescht mit,
doch meischtens sind's Jungi wu am Drohtrahme lehne,
aber alli hen's Bestrebe, dass es e guets Tröpfli git.
D'Rebhisli, d'Rebe un au d'Landschaft sin eifach ne Augeweid,
des git no de Winzerlit Kraft, Schwung und Freid.

Ihringen gewinnt die Artenschutzauszeichnung „Goldene Wildbiene“

Goldene Wildbiene Auszeichnung

Die Gemeinderatsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zeigt in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Ihringen mit der insektenfreundlich gestalteten Verkehrsinsel in der Poststraße, wie erfolgreicher Artenschutz vor Ort gelingt. Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg zeichnete diese Initiative jetzt im Rahmen des Wettbewerbs „Blühende Verkehrsinseln“ mit der Goldenen Wildbiene aus. Wo vorher unbelebter Schotter war, sprießen heute heimische Wildblumen. Das erfreut nicht nur die Betrachter*in, die neue Blühfläche dient vor allem Insekten als Lebensgrundlage. Wildbienen, Schmetterlinge und Co. finden in der bunten Blütenpracht wichtigen Nektar und im Lössboden einen idealen Nistplatz. Die farbenprächtige Fläche kommt mit wenig Pflegeaufwand aus und ist in Ihringen zum Hingucker sowohl für Einheimische als auch Touristen geworden. Die Fläche wurde im Frühjahr 2019 mit Unterstützung des Bauhofs umgestaltet und vorbereitet. Das heimische Saatgut wurde von Ulrike Stephan gespendet und eingesät. Verwendet wurde besonders kräuterreiches Wiesendruschgut von natürlichen Blumenwiesen der Region. Die Pflanzen blühen zweimal im Jahr und sind an die Flugzeit der Wildbienen angepasst. „Da es sich nicht um einjährige Pflanzen handelt, ist die Blütenpracht dauerhaft und muss nicht jährlich neu angelegt werden“, beschreibt Ulrike Stephan die Vorteile. Die Pflege dieses Wildblumenbeetes haben Julian Schrumpf, Ulrike Stephan, Birgit Sütterlin und Felix Treiber gemeinsam als Patenschaft übernommen. „Wir sind stolz auf die gelungene Umgestaltung“, meint Birgit Sütterlin. Auch Felix Treiber ist begeistert, „Wir freuen uns sehr über die Blütenvielfalt und haben bereits viele Wildbienen dort beobachtet.“ Das Engagement zeigt, dass jeder etwas beitragen kann, auch auf kleiner Fläche. Die Umgestaltung überzeugte die Fachjury des Wettbewerbs „Blühende Verkehrsinseln“, die die insektenfreundliche Fläche nun als Gewinnerin kürte. Die Fachjury setzte sich aus Vertreter*innen des Verkehrsministeriums, der Naturschutzverbände und der Uni Nürtingen zusammen. Bewertet wurden unter anderem die verwendete gebietsheimische Saatgutmischung und die fachliche Expertise des Konzepts. Als Preis für ihr Engagement erhält Ihringen zusammen mit anderen neun Gemeinden die landesweite Auszeichnung „Goldene Wildbiene“ und gilt somit als ein nachahmenswertes Beispiel für den Insektenschutz. Die „Goldene Wildbiene“ kam in Form eines Schildes nach Ihringen. So wird das Engagement für den Insektenschutz dauerhaft sichtbar bleiben. Auf Antrag der Grünen wurde im Juli 2020 im Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, künftig in der Gemeinde noch mehr Flächen als Lebensraum für Wildbienen und andere Insekten auf öffentlichem Grün einzurichten. Denn rund 42 Prozent der heimischen Insektenarten sind in ihrem Bestand bedroht.

Weitere Informationen:

Kontakt

Naturzentrum Kaiserstuhl Bachenstraße 42, 79241 Ihringen Birgit Sütterlin & Reinhold Treiber

Tel. 07668 - 7108 80

Büro: Montag + Donnerstag 10 - 12 Uhr

E-Mail: info@naturzentrum-kaiserstuhl.de

 
 
 
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