NaturhüterInnen

Unterwegs für Bienenfresser und Wiedehopf

Naturzentrum Kaiserstuhl bildete Naturhüterinnen und -hüter für den Vogelschutz aus

 Seit den 1990er Jahren sind wieder einige Vogelarten zurückgekehrt, die seit lange verschwunden waren. Zu den besonders attraktiven unter ihnen gehören der Bienenfresser und der Wiedehopf, die sich mit einigem Glück in der Terrassenlandschaft beobachten lassen, wenn man aufmerksam unterwegs ist. Die äußerst bunten Bienenfresser kann man gut an den selbst gegrabenen Höhlen in den Lösswänden sehen, auch sitzen sie gern „schwätzend“ auf erhöhten Stellen, wo sie schnell auffallen. Der durch seinen Federschopf auffällige Wiedehopf ist etwas scheuer, man trifft ihn eher am Boden bei der Nahrungssuche; sein Ruf „huup-huup“ ist markant, er lässt ihn aber nur selten hören.

Die für den Naturschutz erfreuliche Entwicklung hat aber auch eine Schattenseite: Sie lockt viele vermeintliche Vogelfreunde an, die die sensiblen Vögel an ihren Nestern auflauern und beim Brutgeschäft stören. Sie rücken den Bienenfresser-Brutröhren oder den Nestern des Wiedehopfs in den kleinen Rebhütten nahe, nur um selbst spektakuläre Fotos zu schießen, so nahe, dass die Vögel das Brüten aufgeben.

Das beobachtete Birgit Sütterlin von unserem Naturzentrum Kaiserstuhl vermehrt seit 2022 mit gemischten Gefühlen. Die Gäste sind herzlich willkommen, jedoch sollten sie sich rücksichtsvoll verhalten sowohl gegenüber den Vögeln als auch den Winzerinnen und Winzern, die ihre Arbeit in den Weinbergen ausüben müssen.

Um dem Missstand abzuhelfen, organisierte sie zusammen mit Pia Weschle von der Touristik in Ihringen im zeitigen Frühjahr eine Ausbildung von Naturhüterinnen und -hütern – in Ihringen auch mit dem alten Wort „Bammert“ bezeichnet. Sie sollen in der sensiblen Brutzeit die Fotografen ansprechen und zu rücksichtsvollem Verhalten auffordern. Dass dies nicht einfach ist, weiß jeder, der sich im Naturschutz engagiert. Daher fand vor Ostern im Naturzentrum ein Kurs mit zehn interessierten Personen statt, um sie auf die Aufgabe vorzubereiten. Hannes Bonzheim, einer der besten Vogelkenner am Kaiserstuhl, berichtete über die Lebensansprüche von Bienenfresser und Wiedehopf, Birgit Sütterlin und Peter Lutz erläuterten die rechtlichen Grundlagen, wie sich verantwortungsvolle Naturbeobachter verhalten sollten. Und weil ein Gespräch mit Menschen, die sich regelwidrig benehmen, nicht einfach ist, führte Detlef Behnke aus Denzlingen in die Kniffe zu einer erfolgreichen Kommunikation ein. So bestens ausgerüstet startete mit der Rückkehr der beiden Vogelarten aus dem südlichen Winterquartier (im April) und dem Brutbeginn nun die erste Saison der Vogel- und Naturhüterinnen und -hüter im Kaiserstuhl.

Peter Lutz